Designed by simpelweb.de
www.stelzendorf.de
Copyright © 2011 Förderverein zur Traditionspflege in Stelzendorf e. V.
Mahnmal
Weihe des Mahnmals in Stelzendorf am 12. Juni 2005
Sehr verehrte Gäste,
liebe Einwohner von Stelzendorf,
lassen Sie uns kurz einen Blick auf die Geschichte dieser Gedenkstätte werfen.
Am 11. Juli 1926 wurde dieser Platz, an den die Hinterbliebenen der im I. Weltkrieg 1914-1918 gefallenen Stelzendorfer innere Einkehr halten konnten, an persönlichen Erinnerungstagen und am Totensonntag dort zu verweilen, Blumen nieder zu legen und ihrer Toten zu gedenken, erstmals als Erinnerungsstätte geweiht.
Viele werden sich fragen, warum erfolgte die Schaffung einer solchen Gedenkstätte erst so spät?(8 Jahre nach Beendigung des I. Weltkrieges)
Der Sächsische Militärverein Stelzendorf trug sich bereits seit 1921 mit dem Ge-
danken, ein Kriegerdenkmal zu schaffen. Doch lange fand sich dafür kein geeigneter Platz. Dann stellte der Bürger Ernst Ranft, Gemeindevorstand a.D. und Mitglied des Sächsischen Militärvereins einen Teil seines Grundstückes kostenlos zur Verfügung. Aber der Verwirklichung dieses Planes setzten sich seitens der Linksparteien unüberwindliche Hindernisse entgegen. Unter diesen Umständen wurde der Plan vertagt.
1925 trat der Militärverein der Errichtung eines Ehrenmals erneut nahe.
Wiederum stellte Ernst Ranft einen Teil seines Grundstückes, den er schon 1921 angeboten hatte in Aussicht und überließ es auf 99 Jahre Erbpacht kostenlos dem Militärverein.
Darauf konnte begonnen werden, das Ehrenmal zu errichten.
Die Kosten wurden zu einem großen Teil durch Spenden der Stelzendorfer gedeckt. Eine im Ort veranstaltete Sammlung erbrachte den ansehnlichen Betrag von 1100 RM.
Das von dem aus Siegmar stammenden Kunstbildhauer Paul Otto geschaffene, künstlerisch wertvoll, doch schlicht gestaltete Denkmal wurde am 11.Juli 1926, 11.00 Uhr unter großer Anteilnahme der Bevölkerung geweiht.
In dem 60 Zentner schweren, aus Rochlitzer Porphyr bestehenden Ehrenmal sind die Namen der 45 Toten aus Stelzendorf eingemeißelt, die im I.Weltkrieg ihr Leben ließen.
Es muss aber auch erwähnt werden, dass einige Stelzendorfer Bürger den Nahmen ihres gefallenen Angehörigen nicht auf das Denkmal schreiben ließen, weil sie grundsätzlich gegen Krieg waren und ihren, im sinnlosen Kampf Gefallenen nicht als “Heldensohn” sehen konnten, sondern als Opfer für die Interessen der damaligen Monarchie.
Da aber der Sächsische Militärverein Stelzendorf keine selbständige juristische Person, d.h. kein “eingetragener Verein”(e.V.) war, konnte er nicht als Eigentümer des Teilgrundstückes ins Grundbuch eingetragen werden.
Im Jahre 1931 schenkte der Gemeindevorstand a. D:,Ernst Ranft, dem Turnverein Stelzendorf e.V. , der dem Sächsischen Militärverein sehr nahe stand, und am 15. August 1931 wurde der Turnverein Stelzendorf e. V. als Eigentümer ins Grundbuch eingetragen.
In den Folgejahren, zur Nazizeit, mussten am 12. März, dem sogenannten “Heldengedenktag”, die Schüler der Stelzendorfer Schule am Denkmal zu eineer Feierstunde aufmarschieren, die dazu genutzt wurde, den Nationalsozialismus und den II. Weltkrieg zu glorifizieren.
Die Pflege und Unterhaltung des Denkmals wurde schon bald ein Problem.
Am 15. Oktober 1933 stellte der Ortsgruppenführer der NSDAP von Stelzendorf, an die Stadt Siegmar den Antrag, die Pflege des Platzes zu übernehmen, da die Kosten für den Kriegerverein infolge ständigen Rückgangs der Mitgliederzahlen und der damit verbundenen Steigerung der Lasten für seine Sterbekasse nicht mehr möglich sind. Seit dieser Zeit hat die Stadt Siegmar und ab 1935 die Stadt Siegmar-Schönau die Kosten für die Pflege übernommen.
Die Pflegearbeiten wurden der Gärtnerei Alwin Buschmann, Stelzendorf, übertrtragen
Ab 1936 fühlte sich die Kriegerkameradschaft Stelzendorf unter Landwirt Kurt Meyer für die Betreuung des Platzes verantwortlich.
Die Stadt Siegmar-Schönau zahlt ab 1936 jährlich 30, 00 RM für die Pflege des Platzes.
Am 8. Mai 1945 erfolgte die Befreiung vom Hitlerfaschismus durch die Alliierten.
Die Bevölkerung war kriegsmüde. In vielen Städten wurden kriegsverherrlichende Bauten beseitigt.
Am 9. April 1946 sichert die Stadt Siegmar-Schönau zu, das Denkmal in Stelzendorf zu erhalten, da es keine kriegerischen Elemente, sondern nur die Namen der Gefallenen enthält und außerdem das einzigste künstlerische Bauwerk in Stelzendorf ist.
Seit dieser Zeit wurde, außer Laubberäumung, durch die damals noch existierenden Straßenmeister bis Mitte der fünfziger Jahre, nichts mehr für die Pflege des Denkmals und des Platzes getan.
Danach fiel auch dieses weg. Die Gedenkstätte führte nun ein Schattendasein.
Im Jahre 2002 bemühte sich der Förderverein zur Traditionspflege in Stelzendorf e.V. um die Restaurierung und Pflege des Denkmals.
Er setzte sich mit der Stadt Chemnitz in Verbindung, die die Kosten dafür übernehmen sollte; denn dafür war er als Verein nicht in der Lage.
Die Stadt lehnte mit der Begründung ab, sie sei nicht Eigentümer des Flurstückes, auf dem sich das Denkmal befindet. Als Eigentümer sei immer noch der Turnverein Stelzendorf e.V. im Grundbuch eingetragen.
Paradox ist aber, dass dieser bereits 1947 aus dem Vereinsregister der Stadt Chemnitz gestrichen wurde, also nicht mehr existierte.
Es erhob sich die Frage: Wer ist der Eigentümer des Flurstückes?
Daraufhin recherchierten wir im Stadtarchiv. Dort fanden wir einige Hinweise, aber keine zur Lösung führende Antwort.
Inzwischen fassten wir den Beschluss, mit Hilfe der Stadt den jetzigen Eigentümer zu ergründen; denn wir wollten anlässlich des sechzigsten Jahrestages der Bombardierung von Chemnitz, am 5.März, und des sechzigsten Jahrestages der Beendigung des II. Weltkrieges, am 8.Mai, neben der Restaurierung des alten Denkmals einen weiteren Gedenkstein setzen, der den Gefallenen und Betroffenen des II. Weltkrieges und den Bombenopfern von Stelzendorf gewidmet ist.
Stelzendorf hat weit über 80 Menschen während der Kriegsjahre von 1939-1945
verloren sowie 9 Tote, darunter 4 Kinder im Alter von 3 bis 15 Jahren, bei der Bombardierung von Chemnitz, am 5. März 1945, zu beklagen.
Dieser Stein und das restaurierte Ehrenmal sollten als
MAHNMAL GEGEN KRIEG UND VÖLKERHASS
am 12. Juni 2005 während unseres XI. Sommerfestes geweiht werden.
Um unser Vorhaben zielstrebig realisieren zu können, musste der Eigentümer des Geländes gefunden werden.
Wir wandten uns, Ende 2004, an den Oberbürgermeister unserer Stadt, Herrn Dr. Peter Seifert, mit der Bitte, dabei zu helfen.
Er begrüßte unser Vorhaben und beauftragte das Liegenschaftsamt diesbezüglich tätig zu werden.
Gleichzeitig wies er uns darauf hin, dass die Klärung der Eigentumsfrage ein langwieriger Prozess sei, ermutigte uns aber, mit den Vorbereitungsarbeiten zu beginnen.
Auch die untere Denkmalschutzbehörde sagte uns für die Restaurierung des früheren Denkmals Unterstützung zu.
Wir beschafften einen Stein und ließen diesen beschriften. Die Vorfinanzierung übernahm ein Mitglied unseres Vereins.
Bei den Vorbereitungsarbeiten machten sich die Vereinsmitglieder
Gerhard Bauer, Arnd Bretschneider und Heiko Großer besonders verdient.
In selbstloser Einsatzbereitschaft dafür scheuten sie weder Zeit noch Mühe.
Außerdem muss betont werden, das die beiden Gewerbetreibenden Arnd Bretschneider
und Heiko Großer die erforderlichen fachmännischen Arbeiten uneigennützig und kostenlos ausführten.
Dafür gebührt allen unser aller Dank.
Dank auch den Bau-und Gartenmarkt Hornbach an der Stollberger Straße, der uns die Sichtschutzwände mit Zubehör sponserte.
Wir bedanken uns auch bei allen ehemaligen und jetzigen Einwohnern von Stelzendorf, die für die Errichtung des Mahnmals spendeten und noch spenden werden,
Die Inschrift des neu gesetzten Steines lautet:





ZUM GEDEDENKEN AN DIE OPFER
DES II. WELTKRIEGES 1939-1945
UND AN DIE TOTEN DES
BOMBENTERRORS VOM 5. MÄRZ 1945
IM ORTSTEIL STELZENDORF
Wir haben bewusst den Begriff “Bombenterror” gewählt; denn ein bewaffnetes Vorgehen gegen wehrlose Menschen(Kinder, Frauen, Greise, Verwundete und Kranke)muss man beim Namen nennen.
Wir sind aber überzeugt, dass das Vorgehen Deutscher, z.B. die Bombardierung von Manchester, Birmingham und Coventry sowie ihr Vorgehen in den von ihnen besetzten Gebieten ebensolcher Terror war. Außeredem wissen wir, dass das faschistische Deutschland Auslöser des II. Weltkrieges war.
Deshalb protestieren wir aufs Schärfste, sollten irgendwelche neonazistischen Kräfte und rechts gerichtete Parteien diese Inschrift für ihre Propaganda und Politik nutzen.
Wir distanzieren uns von diesen Organisationen und ihren Zielen.
Verehrte Anwesende,
noch ein Wort in eigner Sache.
Am 17. Mai dieses Jahres erfuhren wir, dass der Eigentümer des Mahnmalgeländes der Freistaat Sachsen ist. Die Änderung im Grundbuch wurde schlichtweg vergessen.
Die Zeit bis zur Weihung des Mahnmals war aber zu kurz, um eine gründliche gärtnerische Neugestaltung des Umfeldes vor zu nehmen. Außerdem überstiegen diese bei weitem unsere finanziellen Mittel.
Dies wird im Nachhinein vom Freistaat Sachsen veranlasst werden.

W E I H E
Trotzdem weihen wir heute unser Mahnmal gegen Krieg und Völkerhass mit den Worten:
- Ehre den Toten zweier Weltkriege
- verbunden mit Erinnerung der Lebenden an Vernichtung und Not
- der jungen Generation zur Mahnung für friedvolles Schaffen
Manches Herrliche der Welt ist im Krieg und Streit zerronnen.
Wer beschützet und erhält, hat den schönsten Sieg errungen.
Drum woll´n wir im Geist der Verbundenheit
mit allen Völkern der Erde,
dass fortan die Welt vom Krieg befreit
ein Feld frohen Schaffens werde.
Sehr verehrte Gäste,
liebe Einwohner von Stelzendorf,
wir finden uns heute hier zusammen, um eine Gedenkstätte zu weihen, die die Toten zweier schrecklicher Weltkriege ehrt, die aber auch mahnen soll, alles zu tun, damit sich solch grausames, unmenschliches Völkermorden niemals wiederholt.
Ich freue mich über Ihre Teilnahme an diesem feierlichen Akt und begrüße Sie
im Namen des Fördervereins zur Traditionspflege in Stelzendorf e.V. recht herzlich.
Mein besonderer Gruß gilt:
- Frau Hildegard Hänel, geb. Barthel, der einzigen Überlebenden ihres am 5.März 1945 zerstörten Elternhauses an der heutigen Stelzendorfer Straße 253 und ihrem Ehemann,
- dem Vertreter des Bürgermeisteramtes der Stadt Chemnitz,
- den Abgesandten
- des Kulturamtes,
- der unteren Denkmalschutzbehörde,
- des Chemnitzer Geschichtsvereins,
- der Freien Presse,
- des “Chemnitzer Rolands”,
- den Vertretern der Heimatvereine Rabensteins und Reichenbrands,
- den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Stelzendorf
- sowie Herrn Diakon Peter Seifert und seinen Gemeindegliedern
Alle, die Sie heute hier erschienen sind, bekunden Ihr Interesse an der Heimatgeschichte unseres Ortes und an der Traditionspflege in Stelzendorf.
So nehme der feierliche Akt nun seinen Lauf